
Martijn Verhaeg – in seinem Flow eines 24-Stunden-Mountainbike-Rennens
Mountainbiken ist mehr als nur Kraft und Technik. Für Fahrer wie Martijn Verhaeg, mehrfacher niederländischer Meister bei 24-Stunden-Mountainbike-Rennen, geht es auch um mentale Stärke, Konzentration und den richtigen Flow. Wie bleibt er motiviert? Was treibt ihn an, an solch extremen Rennen teilzunehmen? Und welche Rolle spielt Authentizität für seine Leistung? Wir haben mit Martijn über seine Erfahrungen, sein Training und die mentale Stärke gesprochen, die ihn immer wieder zum Sieg führt.
Der Beginn einer Leidenschaft
Martijn fährt seit über 30 Jahren Mountainbike. Er begann schon früh damit und hat den Sport nie aufgegeben. Als seine Kinder klein waren, fuhr er weniger Rad, doch 2015 nahm er es wieder ernst und nahm schließlich an Langstreckenrennen teil. „Es begann mit den nationalen Mountainbike-Meisterschaften, und von da an habe ich mein Training nach und nach angepasst“, sagt er. Seit einigen Jahren startet er auch bei 24-Stunden-Rennen.
Vorbereitung auf ein 24-Stunden-Rennen
Ein 24-Stunden-Rennen erfordert eine detaillierte Vorbereitung, sowohl körperlich als auch mental. „Ab Oktober passe ich mein Training an die nationale Meisterschaft im Juni an“, erklärt Martijn. „Die Vorbereitung reicht von Intervalltraining bis hin zu Ausdauertraining, wobei ich mich vor allem darauf konzentriere, wie mein Körper reagiert und welche Ernährung am besten funktioniert.“
Im Laufe der Jahre hat sich auch sein Trainingsansatz verändert. „Ich trainiere jetzt intelligenter. Anstatt extrem langer Einheiten konzentriere ich mich mehr auf intensivere Trainingseinheiten. Aber bei einem 10-Stunden-Rennen muss man einen erheblichen Teil der Zeit auf dem Rad verbringen. Man kann 1,5 Stunden ohne Essen auskommen, aber nicht 8 Stunden.“
Ablenkung
Gute Vorbereitung hilft Martijn, in den Flow zu kommen. „Ich sorge dafür, dass alles perfekt ist: von meinen nummerierten Wasserflaschen bis hin zur Unterstützung durch meinen Vater und meinen Sohn. Ich plane alles bis ins kleinste Detail. Wenn ich um 20 Uhr einen neuen Helm brauche, ist er bereit. Ich überlasse nichts dem Zufall.“
Während eines Rennens isst Martijn alle 20 Minuten etwas. Das hilft ihm nicht nur körperlich, sondern auch mental. „Es lenkt mich ab und hilft mir, mich zu konzentrieren. Wenn man sich darauf konzentriert, was man essen muss, denkt man weniger darüber nach, wie weit man noch radeln muss.“
Flow in einem 24-Stunden-Wettbewerb
Bei einem 24-Stunden-Rennen kann es schwierig sein, einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten. Die ersten sechs Stunden werden intensiv bewältigt, oft gemeinsam mit den Teilnehmern des 6-Stunden-Rennens. „Nach diesen ersten Stunden muss man weitermachen, auch wenn die Strecke ruhiger wird und die Nacht hereinbricht“, sagt Martijn. „Dann ist es wichtig, sich auf seine Ziele zu konzentrieren.“
Mentale Stärke zu bewahren, ist eine der größten Herausforderungen bei einem Langstreckenlauf. „Es ist unmöglich, 24 Stunden lang voll konzentriert zu bleiben“, gibt Martijn zu. „Es beginnt körperlich, wird dann aber mental. Man muss im Flow bleiben und durchhalten“, sagt Martijn. „Wenn man eines von beidem vernachlässigt, schafft man es nicht. Irgendwann fängt man an, an sich selbst zu zweifeln. Das ist frustrierend, aber man muss durchhalten. Ich habe monatelang dafür trainiert, Aufgeben ist also keine Option.“
Das richtige Umfeld und die richtige Ausbildung
Doch jedes Rennen birgt unvorhersehbare Herausforderungen. „Eine trockene Ausgabe mit viel losem Sand ist schwierig, aber Regen ist noch schlimmer. 24 Stunden in nasser Kleidung zu fahren, ist eine enorme Belastung für den Körper.“
„Radfahren im Wald erfordert mehr Konzentration und hält einen geistig fit. Auf der Straße ist es langweiliger, und man muss aufpassen, dass man nicht einschläft“, lacht Martijn. „Bei einem 24-Stunden-Rennen fährt man mit einer Lampe am Helm, was das Ganze noch spektakulärer macht.“
Das Erlebnis und die Authentizität
Martijn hat bereits mehrere 24-Stunden-Rennen gewonnen, darunter drei niederländische Meistertitel (2018, 2019 und 2023). „Der letzte Titel war der schönste. Je älter man wird, desto schwieriger wird es, das Training aufzubauen. Man trainiert fast ein Jahr lang für so ein Rennen, und irgendwann lässt die Motivation nach. Aber ich gebe nicht auf.“
Laut Martijn ist Erfahrung ein großer Vorteil. „Bei einem 24-Stunden-Rennen tritt man gegen junge Männer von 25 Jahren an. Dann merkt man, dass mentale Stärke genauso wichtig ist wie körperliche. Erfahrung hilft einem, die Kräfte besser einzuteilen und die Konzentration zu bewahren.“
Was können andere Athleten daraus lernen?
Martijn hat einen Rat für andere Athleten, die häufiger im Flow sein wollen: „Trainiert ernsthaft und sorgt für eine gute Vorbereitung. Das bedeutet nicht nur Training, sondern auch, zu wissen, was ihr essen müsst und ob eure Ausrüstung in Ordnung ist. Ihr wollt ja nicht erst im Wettkampf feststellen, dass etwas nicht funktioniert.“
Als Trainer und Coach unterstützt er andere Mountainbiker. „Ich gebe Kurse und Workshops zu MTB-Technik und -Wartung. Alles muss perfekt sein: vom Training bis zur Ausrüstung. Ich freue mich, anderen das weiterzugeben, was ich selbst in meinen Rennen anwende.“
„Konsequentes Training, gesunde Ernährung und einwandfreies Equipment sind unerlässlich. Alles muss stimmen.“ Mit dieser Herangehensweise hat er sich in der extremen Welt der 24-Stunden-Mountainbike-Rennen immer wieder bewiesen. Und solange die Motivation anhält, denkt Martijn noch lange nicht ans Aufhören.
